Ausstellung

Erwin Olaf - Silver

21 September 2003 bis 30 November 2003

Überraschende Wendungen, Extravaganz und Überschwang kennzeichnen das Werk von Erwin Olaf (Hilversum 1959). Olaf debütiert Anfang der achtziger Jahre als Pressefotograf, spezialisiert sich aber bereits schnell auf die Studiofotografie. Hierin entwickelt er einen ganz eigenen humoristischen und sinnlichen Stil, mit dem er sowohl freie als auch unzählige Aufträge aus dem kulturellen, journalistischen und ideellen Bereich umsetzt. Seine Werke erscheinen in Zeitschriften wie Haagse Post, Nieuwe Revu, Vrij Nederland und zahlreichen anderen Publikationen. Daneben entstehen Fotos für Film- und Theaterplakate und ideelle Kampagnen wie z.B. den Aids Fonds und die Stiftung Proefdier vrij (Tierversuchefrei). Ab Mitte der neunziger Jahre arbeitet er auch für viele große, internationale Inserenten. Er fotografiert weltweite Werbekampagnen für u.a. Diesel, Heineken, Microsoft und Nokia, von denen einige mit angesehenen Preisen ausgezeichnet wurden.

Die Entscheidung, sich neben seinen Auftragsarbeiten auch regelmäßig zusammenhängenden Serien zu widmen, fällt er früh in seiner Karriere. Für seine erste Serie mit dem Titel Chessmen (1987/88) erhält er in Köln den ersten Preis für junge europäische Fotografen. Hiernach fotografiert er durchschnittlich eine freie Serie pro Jahr. Nach Chessmen folgen Serien wie Blacks (1990), Mind of their Own (1995), Mature (1999) und Royal Blood (2000). Indem er mit Modellen Zusammenarbeit, die nicht dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen, oder sich für fantasievolle Inszenierungen entscheidet, die dieses gängige Schönheitsideal in Frage stellen, spielt Olaf immer wieder ganz bewusst mit den herrschenden Clichés rund um das Thema Schönheit.

Sowohl in der Kunstfotografie als auch im kommerziellen Bereich erfolgreich zu sein ist - so meint der Kenner Wim van Sinderen (Fotografen in Nederland, 2002, S. 288) – nur wenigen niederländischen Fotografen vergönnt. Daneben macht sich Olaf auch einen Namen als Macher von Filmen und Videoclips, von denen eine Auswahl zu sehen sein wird.

Die Ausstellung im Groninger Museum beleuchtet alle Aspekte von Erwin Olafs Werk, der Nachdruck wird allerdings auf seinen autonomen Serien liegen. Ein wichtiger Teil hiervon sind die drei neuesten Reihen, die kaum oder noch gar nicht in den Niederlanden gezeigt wurden. Paradise The Club (2001) ist eine kritische Randbemerkung zur Partykultur und zum zügellosen Hedonismus der neunziger Jahre. Es sind Tableaus von heftigen Festen, auf denen es von Menschen wimmelt und Angst einjagende Clowns sich an Frauen vergreifen. Olaf ließ sich nicht nur durch seine eigenen Erfahrungen aus der Partyszene inspirieren, sondern auch durch das im Prado ausgestellte Rubens-Gemälde Die Entehrung von Hippodameia. Rubens war ein Meister der Darstellung großer Szenen, in denen er Erotik und Gewalt in unnachahmlicher Weise miteinander verband. Olaf hatte schon immer eine große Vorliebe für den Barock, derartig komplexe Figuren entwirft er hier aber zum ersten Mal in seinem autonomen Werk. In Paradise Portraits (2001) zeigt er eine Reihe Close-ups von Gesichtern schöner Frauen und beängstigender Clowns.

Separation (2002/2003) ist Olafs bislang introverteste Serie. Die Gestalten sind von Kopf bis Fuß in schwarzem Latex gekleidet, jegliche Assoziation mit kinky Sex ist unangebracht: die Kleidung soll als ein Symbol für die verstummte Isolation der Figuren verstanden werden. Ein Junge und seine Mutter befinden sich in einem Haus, dass keinerlei Gemütlichkeit ausstrahlt. Von einer niedrigen Kinderperspektive aus sehen wir einige Szenen aus dem Leben des Jungen, der mit jedem Foto etwas älter wird. Separation ist auch der Titel eines Kurzfilms von Olaf aus dem Jahre 2003.

Die Ausstellung im Groninger Museum zeigt eine umfangreiche Auswahl aus einer Periode von 25 Jahren.
Anlässlich der Ausstellung erschien ein Katalog mit einer Übersicht von Olafs Werk.
www.erwinolaf.com
www.noorderlicht.com