Ausstellung

Groninger Fahnen

10 Februar 2006 bis 11 Juni 2006

Im westlichen ovalen Saal des Groninger Museums werden die Fahnen verschiedener gesellschaftlicher Organisationen Groningens aus der Periode 1870 und 1970 gezeigt. Die Niederlande organisierten sich damals in Gruppierungen. Neben allgemeinen Organisationen existierten auch christliche, reformierte, katholische, sozialistische und jüdische Vereinigungen für Arbeit, Entspannung und Weltanschauung. Viele dieser Organisationen besaßen eigene Fahnen, von denen eine große Anzahl zum Besitz des Groninger Museums gehört. Gezeigt wird eine Auswahl aus dieser Sammlung.

Weil Material, Form und Schriftzeichen der Applikationen oftmals fast identisch sind, erscheint es beim ersten Hinsehen als würden sich die Fahnen kaum voneinander unterscheiden. Verstärkt wird dies auch noch dadurch, dass auf den Fahnen der städtischen Groninger Vereinigungen – ungeachtet der Zielgruppe – auch das Stadtwappen abgebildet ist. Bei genauerer Betrachtung fallen Namen und Symbole auf. Bei christlichen Vereinigungen ist auf dem Stoff oft eine Bibel zu sehen. Sozialistische Fahnen sind häufig rot, dennoch gehören nicht alle roten Fahnen zum sozialistischen Lager. Ein Merkurstab repräsentiert den Handel und ist sowohl auf der Fahne der Algemene Groninger Winkeliers Verenging (Allgemeine Groninger Geschäftsinhabervereinigung) als auch auf der Fahne des Christelijke Middenstandsbond (Christlicher Mittelstandsbund) vertreten. Die Fahne der jüdischen Gymnastikvereinigung fällt nicht gleich mit Symbolen auf. Eine Fahne stammt von der Groninger Abteilung für das Frauenstimmrecht; kaum vorzustellen, dass dieses Recht in den Niederlanden noch keine hundert Jahre alt ist.

Alle Fahnen wurden aus Samt hergestellt und mit gestickten Buchstaben und Symbolen versehen. Deutlich erkennbar ist der Unterschied zwischen ärmeren und reicheren Vereinigungen. Letztere Organisationen verwendeten viel goldenen Galon. Bei den schlichtesten Fahnen wurde der Stoff bemahlt. Meistens sind die Hersteller der Fahnen nicht bekannt. Ein Ausnahme sind die beiden von der Firma M. van Diemen in Dordrecht hergestellten Fahnen.

Nachdem die Fahnen lange Zeit mit Ehrfurcht und Sorge umringt worden waren, landeten viele auf Dachböden oder in Schränken, bevor sie schließlich das Museum erreichten. Einige gelangten über den Antiquitätenhandel ins Groninger Museum. Die Spuren dieses Verbleibs sind den Fahnen oft anzusehen, gleichzeitig wird hiermit aber auch ein Bild der Verschiedenartigkeit des früheren Groninger Lebens skizziert.