Hendrik de Vries (1896-1989)

22. Juni 2006

Das Groninger Museum präsentiert vom 23. Juni bis 1. Oktober 2006 in seinem Kupferstichkabinett zweiundzwanzig Zeichnungen des De Ploeg-Künstlers Hendrik de Vries. Themen wie Landschaften und Tänzerinnen finden sich in diesen Zeichnungen wieder.

Als bildender Künstler war Hendrik de Vries Autodidakt. Er stütze sich nicht auf einen vorher gefassten Plan, auch Vorstudien oder Skizzen machte er nie. Die meisten Zeichnungen entstanden in kurzen Zeiträumen von plötzlicher Inspiration, in denen er in hohem Tempo vierzig, fünfzig Zeichnungen machte. Hendrik de Vries wurde im September 1929 Mitglied der Künstlergruppe De Ploeg. Er verfasste einige wichtige Einführungen zu Gruppenausstellungen, als Maler und Zeichner nahm er allerdings eine Sonderstellung ein. Die Künstler von De Ploeg gingen bei ihren Gemälden von der Wirklichkeit aus, De Vries' Ausgangspunkt hingegen war die Fantasie.

Zwischen 1924 und 1936 unternahm er jährlich Urlaubsreisen nach Spanien auf denen er mit Tanzmusik und –liedern in Berührung kam, die ihn - auch in seiner Zeichenkunst - maßgeblich beeinflussten. In Spanien hatte er viel Kontakt zu Roma, deren Welt eine große Inspirationsquelle für De Vries war. Vor allem die Romamädchen und -frauen faszinierten ihn. Zu Hause zeichnete er diese Frauen meist als Tänzerinnen. Hendrik de Vries arbeitete immer auswendig und aus der Erinnerung heraus. So zeichnete er auch seine spanischen Landschaften. Vielen ist Hendrik de Vries vor allem von seinen Gedichten her bekannt. Dennoch werden diesen Menschen seine Zeichnungen nicht fremd vorkommen, sein bildnerisches Werk schließt sich nämlich seinem literarischen Werk an. De Vries holte seine Inspirationen aus einer Traumwelt voller Geheimnisse; sein Werk regt daher in starkem Maße die Fantasie an. In einem seiner Bände spiegelt er die Welt durch Kinderaugen wider; reale und märchenhafte Welt sind hier unzertrennlich, dies ist eine Welt voller schauriger Gefahren. Es gibt Tabubereiche, ein Kind jedoch sucht trotzdem die Gefahr – wie es ausgeht, wird allerdings nicht erzählt. Ein prächtiges Zitat von Hendrik de Vries lautet:

“Man suche keine literarische Bedeutung hinter meinen Zeichnungen. Eine Zeichnung oder ein Gemälde ist niemals illustrativ oder symbolisch.”

Biografie
Am 22. September 2006 erscheint beim Verlag J.M. Meulenhoff die von Jan van der Vergt verfasste Biografie von Hendrik de Vries.

Notiz an die Redaktion
Ausstellungskoordinatorin: Susan Smelt
Weitere Informationen: Josee Selbach, jselbach@groningermuseum.nl, +31-(0)50-3666555, www.groningermuseum.nl