Im Dienst von Diaghilew

15. Oktober 2004

Sergej Diaghilew (1872-1929) war einer der größten Kunsterneuerer des vergangenen Jahrhunderts. Er war der erste, der bildende Künstler anzog, um zusammen mit Komponisten und Choreografen theatralische Gesamtkunstwerke für ein großes Publikum zu kreieren. Alles in allem zeigt die Ausstellung mit über 230 Gemälde, Bühnen- und Kostümentwürfe, Grafiken und Kostüme, die scheinbar unerschöpfliche Ideenwelt von Diaghilew. Vom 11. Dezember 2004 bis 28. März 2005 präsentiert die Ausstellung Im Dienst von Diaghilew im Groninger Museum Werke von u.a. Picasso, Matisse, Di Chirico, Bakst, Benois, Golowin, Serow, Wrubel, Gontscharowa und Larionow.

Diaghilews wichtigste Großtaten im Umgang mit bildender Kunst ereignen sich ab 1898 im Rahmen der Gründung der Mir Iskusstva (Welt der Kunst), der damals wichtigsten Kunstzeitschrift Russlands. Er führt das Blatt bis zu dessen Auflösung im Jahre 1904. Diaghilew versteht es eine große Gruppe bildender Künstler an sich zu binden, die seine Zeitschrift mit Material versehen. In den vielen Ausstellungen, die er in St. Petersburg und später in Paris veranstaltet, stellt er deren Werke zur Schau. In Groningen wird eine große Anzahl von Werken dieser Künstler zu sehen sein. U.a. von dem genialen Michail Wrubel, der eine vollkommen einzigartige Bildsprache entwickelte, mit der er damals, und sicherlich auch heute wieder, sein Publikum überraschte. Valentin Serow ist ein künstlerisches Wunderkind, das bereits im Alter von sechs Jahren ein Schüler von Ilja Repin wird - für Groningen kein Unbekannter. Diaghilews Freunde Alexander Benois, Konstantin Somow und Léon Bakst sind ebenfalls in großem Umfang vertreten. Sie erarbeiten die Konzepte, mit denen Diaghilew später in Paris die Welt des Balletts radikal verändert.

Als Diaghilew von 1909 an russische Opern in Ballettinszenierungen in Paris produziert exportiert er nicht nur die Musik, Tänzer, Künstler, Bühnenbilder und Kostüme sondern auch die einzigartigen Zusammenarbeitsstrukturen mit denen die russischen Künstler arbeiten. Die Ballets Russes werden ein nie da gewesener Erfolg. Die Bühnenbilder und Kostüme von Léon Bakst, Alexander Golowin und Valentin Serow versetzen das verwöhnte Pariser Publikum in Extase. Auf allen Gebieten hauchen die Russen der Welt des Tanzes neues Leben ein und machen sie zum Podium für große künstlerische Erneuerungen. Auch die in seinem Umfeld hinzukommenden westlichen Künstler inspiriert er zur intensiven Zusammenarbeit mit Künstler anderer Disziplinen. Komponisten wie Debussy, Ravel, de Falle arbeiten zusammen mit Künstlern wie Picasso, Matisse und Di Chirico und Schriftstellern wie Jean Cocteau und André Gide. Die russischen Experimente mit Gesamtkunstwerken, die seit 1890 in St Petersburg ausgeführt werden, sind das große Vorbild für die großen Erneuerungen im Paris der Zehner- und Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts.

Mit der Ausstellung Im Dienst von Diaghilew wollen wir verdeutlichen, dass die russische Atmosphäre aus St. Petersburg die künstlerischen Entwicklungen in Paris wesentlich stärker beeinflusste als bisher angenommen. Große Aufmerksamkeit gilt daher den Künstlern aus Diaghilews russischer Periode und russischen Künstlern des Ballets Russes.

Leihgaben
Viele Leihgaben kommen vom Centre Pompidou, Paris, dem Victoria & Albert Museum, London, und der National Gallery of Australia, Canberra. Der weitaus größte Teil der Leihgaben kommt von der Moskauer Tretjakow-Galerie, die über 80 Werke aus ihrer erstaunlich reichen Sammlung zur Verfügung stellte. Dies ist die größte Anzahl von Leihgaben, die das Groninger Museum jemals empfangen durfte.

Gestalteter der Ausstellung ist Sjeng Scheijen, Patty Wageman ist die Produzentin.

Das Diaghilew-Festival (26. Januar - 30. Januar 2005)
Das künstlerische Erbe von Diaghilew wird erst durch Hinzufügung von Musik und Tanz komplett. Deshalb wurde neben der Ausstellung ein groß angelegtes Diaghilew-Festival mit Beiträgen der weltweit herausragendsten Tanz- und Musikgesellschaften organisiert.

Veranstaltungen
Informationen zu speziellen Veranstaltungen im Museum, wie Filmvorführungen, Lesungen, Musik, Theater und Weiterbildung, finden Sie auf unserer Website.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch einen finanziellen Beitrag der Stichting Fondsbeheer Culturele Relatie Evenementen Gasunie.

Medienpartner ist AVRO Klassiek.

Für weitere Informationen: Josee Selbach, jselbach@groningermuseum.nl, Rixt Horstmann, rhorstmann@groningermuseum.nl, +31-(0)50-3666555, www.groningermuseum.nl, www.diaghilevfestival.nl