Kuba. Kunst und Geschichte von 1868 bis zur Gegenwart

27. Februar 2009

17. Mai bis 20. September 2009

Das Groninger Museum präsentiert vom 17. Mai bis 20. September 2009 eine große Übersichtsausstellung über die Entwicklung der Kunst und Geschichte Kubas von 1868 bis zur Gegenwart. Es werden Werke von über 100 Künstlern gezeigt, u.a. von Wifredo Lam, Marcelo Pogolotti, Juan Bautista Valdés und Joaquín Blez. Viele Gemälde, Fotos Installationen, Videos und Grafiken vermitteln ein Bild der kubanischen Kultur.


Geschichte

Die Ausstellung erzählt die Geschichte eines jungen Landes mit einer jahrhundertealten Kultur. Kuba ist eine Insel, deren turbulente Geschichte von den wichtigsten Fragen des 20. Jahrhunderts durchtränkt ist; hierzu gehören u.a. die Kolonialisierung, die Suche nach nationaler Identität, Unabhängigkeitskriege sowie neue unerreichbare politische Ideale.

Malerei
Die ersten kubanischen Landschaftgemälde entstanden zu Beginn der Kolonialzeit. Im 19 Jahrhundert dienten Gemälde der Landschaft zur Illustration der sich entwickelnden Zuckerindustrie. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren auf Kuba viele Künstler aktiv. Oft zogen sie nach Ende ihres Studiums in Havanna nach Europa, um dort ihre Ausbildung fortzusetzen. Bekannte Künstler, die zur weiteren Entwicklung der Landschaftsmalerei beitrugen, waren Esteban Chartrand und Domingo Ramos.

Fotografie
Vorläufer des Fotojournalismus zogen mit einem Karren umher. Sie hielten Straßenecken, Landschaften, Landleben, wichtige Ereignisse wie Brände, Freiluftmessen und Erdrutsche im Bild fest und entwickelten so eine neues Spezialgebiet: die Dokumentarfotografie. Solche Aufnahmen wurde “Englische Karten“ genannt; auf Kuba im allgemeinen als “Tarjetones“ bekannt. Das Foto wurde auf eine Karte geklebt, auf deren Rückseite eine kurze Beschreibung des Bildes stand.

Am Anfang von Kubas Unabhängigkeitskrieg, im Jahr 1895, war die Fotografie bereits gut in der Tagespresse vertreten. Wie die Fotos aus dem Zehnjährigen Krieg waren die Bilder aus dem Krieg von 1895 gestellt und friedlich. Es handelte sich vor allem um Porträts von Einzelpersonen und Gruppen von Militärangehörigen. Damals bedeutende Fotografen waren die kubanischen Brüder José Manuel und José María Mora sowie Juan Bautista Valdés und Joaquín Blez.

Avantgarde

Die Avantgarde-Jahre 1928-1945 war ein wichtiger Zeitraum für die Entwicklung der kubanischen Identität. Am Ende der 20er Jahre entstand ein deutliches Bestreben, der eigenen Identität Ausdruck zu verleihen – angedeutet als Vanguardismo bzw. Avantgarde. Hierzu befassten die Künstler sich mit der modernen Kunst Mexikos und vor allem Europas, wo ein Großteil der Kubaner verblieb und sich vom Kubismus, Futurismus und Surrealismus inspirieren ließ. Mitte der 20er Jahre gingen kubanische Künstler, Schriftsteller und Musiker nach Paris und bildeten dort eine kleine Kolonie. Nach dem Sturz des Diktators Machado, 1934, kehrten sie, einer nach dem anderen, wieder nach Kuba zurück. Die herausragendsten Maler aus dieser Zeit waren Marcelo Pogolotti und Wifredo Lam. In den Gemälden, die Lam ab 1941 auf Kuba schuf, sind die Einflüsse des Kubismus und Surrealismus noch erkennbar. Immer mehr jedoch entwickelte er einen sehr persönlichen magischen Kubanismus.

Die 1970er Jahre war eine komplexe und gegensätzliche Periode. Nach dem ideologischen Modell hatte Kunst in erster Linie eine pädagogische Funktion, junge Künstler arbeiteten in einem offiziellen und vorgeschriebenen Stil. Mit abwechslungsreichen visuellen Mitteln wurde der kubanischen Identität, dem Fortschreiten der Avantgardebewegungen, einheimischen afro-kubanischen Mythen, Traditionen vom Lande und der Pop-Art-Strömung Ausdruck verliehen.

Zeitgenössische Kunst der Jahre 1990 bis zur Gegenwart Die zeitgenössische Kunst Kubas entwickelte sich vor einem besonderen Hintergrund und kennt eine außergewöhnliche Geschichte. Nach einer langen Periode politscher Unruhe brach eine Zeit an, in der die Künste auf einmal ein großes Maß an Freiheit bekamen. Diese plötzliche Freiheit führte zu vielen neuen Ideen, was der modernen Kunst einen ganz eigenen Charakter verlieh. Eine der Aufsehen erregendsten Erneuerungen der 90er Jahre war die Tatsache, dass Künstler kritische sozialpolitische Botschaften in ihren Werken verarbeiteten. Ein Beispiel hiervon ist ein Werk von Antonio Eligio Fernández (Tonel): El Bloqueo (Die Blockade) von 1989. Es besteht aus einigen arrangierten Zementblöcken, von denen neun als Buchstaben erscheinen und den Titel des Werkes ergeben. Auffallend ist, dass Tonel dieses Werk im Jahr des Berliner Mauerfalls geschaffen hat. Eine weitere Besonderheit ist die Anordnung der Zementblöcke in Form der Insel Kuba.

Grafik und Film
Havanna ist die Stadt der legendären Filmpaläste. Junge Filmemacher befassten sich eindringlich mit den gefestigten Sehgewohnheiten des Publikums, mit der Ehrgeiz eine Strategie zu entwickeln, um revolutionäre Themen – sowohl im künstlerischen als im gesellschaftlichen Sinne – zu behandeln. Die ersten politischen Plakate der kubanischen Revolution wurden von dem Grafikdesigner Eladio Rivadulla Martínez entworfen. Als Grundlage verwendete er ein Foto von Fidel Castro, das Anfang 1957 während eines Interviews zwischen New York Times-Journalist Herbert Matthews und dem kubanischen Guerillaanführer in den Bergen der Sierra Maestra entstanden war. Dies führte auf Kuba zu dem (eindringlichen) Bedürfnis, mithilfe von Plakaten soziale, wirtschaftliche, ideologische und kulturelle Programme anzukündigen. Die meisten qualitativ hochwertigen Plakate entstanden zwischen 1965 und 1975. Diese Periode wird daher auch als goldenes Zeitalter der kubanischen Plakatkunst bezeichnet. Aktive Künstler waren damals u.a. Antonio Fernández Reboiro und Olivio Martínez.

Das Groninger Museum stellt mit dieser einzigartigen Übersichtsausstellung die Entwicklung in der Kunst und Geschichte Kubas dar.

Die Ausstellung Kuba! Kunst und Geschichte von 1868 bis zur Gegenwart wird organisiert vom Montreal Museum of Fine Arts in Zusammenarbeit mit dem Museo Nacional de Bellas Artes in Havanna.

Publikation
Speziell zu dieser Ausstellung erscheint der ausführliche, reich illustrierte Katalog Cuba! Kunst en geschiedenis van 1868 tot heden, herausgegeben von Nai Publishers. Autoren: Nathalie Bondil, Ernesto Cardet Villegas, Roberto Cobas Amate, Gerardo Mosquera, Jeff L. Rosenheim u.a..
Gestaltung: Susan Marsh. ISBN: 978-90-5662-688-4. Preis: € 45, -, gebunden und illustriert, 424 Seiten, 24 x 28 cm.

Sponsoring
Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Stichting Fonds Kunst en Economie, eine Initiative von VNO-NCW Noord. Dieses Projekt wird mitfinanziert durch die Europäische Gemeinschaft und dem Samenwerkingsverband Noord- Nederland, EZ/Kompas.

Notiz an die Redaktion
Weitere Informationen erteilen: Josee Selbach, jselbach@groningermuseum.nl, Evelien Bijlefeld, ebijlefeld@groningermuseum.nl, +31-(0)50-3666555, www.groningermuseum.nl.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10.00-17.00 Uhr, freitags bis 22.00 Uhr. Geschlossen: montags, 25. Dezember und 1. Januar.