Ausstellung

Nächtliche Ausschweifungen/Nocturnal Emissions

25 September 2004 bis 21 November 2004

Das Groninger Museum präsentierte vom 25. September bis 21. November 2004 die Ausstellung Nächtliche Ausschweifungen/ Nocturnal Emissions. Die neun Teilnehmer der Ausstellung sind der Künstler assume vivid asstro focus (Br/USA), das Designerduo Ronan und Erwan Bouroullec (F), Designer Maarten Baas (NL) und die Künstler Steven Gontarski (USA), Brian Griffiths (GB), Anthony Goicolea (USA), Lars Nilsson (S), Mark Titchner (GB) und Francesco Vezzoli (I). Das Werk variiert von Videos, Skulpturen aus grobem Abfallholz, Design, inszenierten Fotos, handwerklichen Holzschnitzereien bis hin zu Hochglanzskulpturen aus Kunstharz. Die Ausstellung zeigt nicht nur die leichten, sondern auch die schwereren und melancholischen Seiten des Lebens.

Der Künstler avaf schafft Werke, denen sehr vielfältige Inspirationsquellen zugrunde liegen. Sie variieren von einem renessancistischen Stil, wie z.B. bei den französischen Mille Fleurs Teppichen, bis hin zu Graffiti, japanischen Entwürfen und Flower-Power-Motiven. Die verschiedenen Stile verarbeitet avaf dann zu wandfüllenden Darstellungen auf Prints. Diese Bilder kombiniert er zuweilen mit Videobildern, wodurch eine Aneinanderreihung von Fragmenten, Verweisungen, Zitaten und abstrakten Mustern entsteht.

Die Brüder Ronan und Erwan Bouroullec (1971,1976) sind Designer. Sie kreieren funktionelle Objekte wie modulare Wandsysteme, mobile Umzugsküchen und vollständige Bürokonstruktionen. Starre geometrische und elegante Formen sind wichtige Bestandteile ihrer Designsprache. Ihr Werk gehört u.a. zur Sammlung des MoMA in New York und dem Centre Pompidou in Paris.

Maarten Baas (1978) vollendete sein Studium an der Design Academy in Eindhoven. Zu Bekanntheit brachte er es mit seiner Examensarbeit Smoke. Dieses Werk besteht aus Möbeln, die Baas mithilfe eines Gasbrenners in Brand setzte, wonach er die verkohlten Exemplare mit transparentem Epoxid behandelte. Auf diese Weise sind die Möbel in ihrem neuen Zustand wieder benutzbar. Für die Ausstellung im Groninger Museum wird Baas eine vollkommen neue Installation anfertigen, die, nach dem Vorbild der Serie Smoke, die Begriffe Schönheit, Wert, Konservierung, Wiederverwertung und "Entsammeln" in einem neuen Licht erscheinen lassen werden.

Die Skulpturen von Steven Gontarski (1972) wurden aus Glasfasern angefertigt und mit einer Schicht Hochglanzlack überzogen. Seine Plastiken erscheinen fast flüssig, surrealistisch und futuristisch. Sie entstanden in Anlehnung an antike und klassische Plastiken und Büsten. Wie bei vielen klassischen Skulpturen fehlen auch bei Gontarskis Skulpturen Körperteile. Oftmals sind ihre Gliedmaße deformiert und die Gesichtszüge maskiert. Mit ihren makellos glatten Oberflächen assoziieren die Skulpturen auf starke Weise Erotik, eine längst verflossene Zeit und mystische Symbolik.

Anthony Goicolea (1971) macht große "erzählende" Fotos, in denen er als eine Art digitalisierter Mehrling alle Rollen spielt. Es sind Szenen, die in erster Linie die Kindheit zum Thema haben, die übliche Nostalgie aber weit in den Hintergrund stellen. Für seine Bilder verwendet er Requisiten und unterschiedliche Dekorationen. Anschließend bearbeitet er die Aufnahmen mit dem Computer. Goicoleas Bilder haben einen surrealistischen Charakter und vermitteln eine Atmosphäre von unterschwelliger Spannung und unterdrückter Aggression.

Der aus England stammende Brian Griffiths (1968) konstruiert Installationen aus gefundenen Materialien. Mit diesen Materialien kreiert er Fantasie anregende Assemblagen wie u.a. einen Ritter zu Pferd, ein aus Karton und Plastikbechern gebautes Raumschiff, ein Wikingerschiff und einen Zirkuswagen. Griffith hat ein tadelloses Gefühl fürs Geschichtenerzählen.

Das Œuvre von Lars Nilsson (1956) setzt sich aus Skulpturen, Videos und Installationen zusammen. Körperlichkeit ist eines der zentralen Themen in seinem Werk. In seiner neuesten Videoarbeit In Orgia wird der Zuschauer mit einem romantischen Tableau konfrontiert. Mit der Szenerie kommentiert er das gegenwärtige Leben, in dem selbst die intimsten Augenblicke marginalisiert zu werden scheinen.

Mark Titchner (1973) scheint noch Hoffnung zu haben, die Welt verbessern zu können. Titchner verwendet Billboards, um seine eigene Botschaft zu vermitteln und regt den Betrachter zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftliche Themen an. Ein Beispiel aus dem Jahre 2003 ist das Kunstwerk Be Angry but don’t stop Breathing. Dieses Werk ist eine Installation, zu der, neben dem Billboard, auch hölzerne Skulpturen gehören. Der Betrachter wird eingeladen, sich in einem dieser Holzwerke, die zum Auffangen der Vibrationen mit einem Wasserkübel in Verbindung stehen, die Seele aus dem Leib zu schreien.

Kennzeichnend für Francesco Vezzoli (1971) sind dessen komplexe Videoproduktionen. In seinem Werk verweist er häufig auf seine Vorliebe für Filme, mit denen er seine persönliche Faszination für Ängste ausgestaltet. In jedem Video steht eine Persönlichkeit oder Szene im Mittelpunkt. Der Film The End of Human Voice (2001) wurde in den Niederlanden bisher noch nicht gezeigt. Inspirationsquelle zu diesem Werk war ein von Roberto Rosselini verfilmter Theatermonolog von Jean Cocteau. Bianca Jagger (die Ex-Frau von Mick Jagger) spielt in diesem Film eine ratlose Frau, die von ihrem Liebhaber verlassen wurde.

Die Ausstellung Nächtliche Ausschweifungen/ Nocturnal Emissions steht in der Tradition der Ausstellungen Peiling (Peilung, 1995) und Stroomversnelling (Stromschnelle, 2001) und zeigt Werke von jungen - diesmal internationalen - Künstlern.

Ausstellungskoordinatorin: Sue-an van der Zijpp
Einrichtung: Mark Wilson