Song Dong. Life is Art, Art is Life

Eine Weltkarte aus tausenden Süßigkeiten, ein mit Feldblumen bewachsener Hügel aus Abfall und eine Rasenfläche aus grüner Schlagsahne sind nur ein paar Beispiele aus dem Werk von Song Dong (Peking, 1966). Das Groninger Museum präsentiert ab dem 13. Juni 2015 seine erste große Einzelausstellung mit Videos, Installationen und Fotografien. Song ist derzeit einer der wichtigsten international aktiven chinesischen Künstler. Seine Werke werden weltweit in namhaften Museen ausgestellt.

Die auffällige Installation Waste Not nimmt in der Ausstellung einen besonderen Platz ein, da sie aus Hausrat besteht, den seine Mutter in ihrer Sammelwut zusammentrug.  Die Installation war unter anderem im Museum of Modern Art in New York, in der Vancouver Art Gallery, im Barbican Centre in London und 2013 auf der Biennale of Sydney zu sehen.

Song Dong hat ein traditionelles Studium der Malerei abgeschlossen. Nach den Protesten auf dem Tian'anmen-Platz 1989 hörte er abrupt mit der Malerei auf, um sich wenige Jahre später – für chinesische Begriffe – experimentelleren Kunstformen wie Performance, Fotografie, Videos und Installationen zu widmen. In seinem Werk befasst Song sich mit Themen wie Vergänglichkeit, Flüchtigkeit und Verlust. Im Rahmen der Performance Breathing (1996) legte Song sich an einem frostigen Silvesterabend vierzig Minuten lang auf dem Platz des Himmlischen Friedens auf den Bauch, um mit seinem warmen Atem eine vorübergehende Eisschicht auf dem kalten Boden zu schaffen. Diese Performance wiederholte er auf dem gefrorenen Houhai-See, einem künstlichen See nördlich der Verbotenen Stadt, diesmal allerdings ohne das gewünschte Ergebnis. Am nächsten Morgen waren die Spuren seiner Performance auf dem Platz verschwunden: Als einziger Beweis waren die Fotos geblieben, auf denen die Performance festgehalten worden war.

In den vergangenen Jahren hat sich das Groninger Museum sowohl in Gruppen- als auch in Einzelausstellungen regelmäßig mit zeitgenössischer chinesischer Kunst befasst (New World Order (2008), Ai Weiwei (2008), Me, Myself and I: Chi Peng (2011), Yin Xiuzhen (2012), Fuck Off 2. Curated by Ai Weiwei, Feng Boyi, Mark Wilson (2013)). Mit dieser großen Retrospektive, die sich auf zwei Etagen des Museums verteilt, taucht das Museum weiter in diesen Bereich ein.

Nach Groningen wird die Ausstellung mit den Werken von Song Dong in der Kunsthalle in Düsseldorf zu sehen sein.

  • Waste Not @ Museum of Modern Art, New York
  • Breathing, 1996