„Wilde“ Malerei der 80er im Groninger Museum

Die Neuen Wilden - Deutscher Neo-Expressionismus der 1980er-Jahre

Roh, aggressiv, provokant, mitunter schlichtweg absurd und humorvoll: Ab dem 30. April präsentiert das Groninger Museum die Ausstellung Die Neuen Wilden, in der die „wilde“ Malerei der aus der Bundesrepublik der 1980er-Jahre im Mittelpunkt steht. Den Schwerpunkt bilden in Köln, West-Berlin, Düsseldorf und Hamburg tätige Künstler wie Walter Dahn, Helmut Middendorf, Milan Kunc, Salomé und Elvira Bach. 

 

Wie der Punk einst die Welt der Popmusik aufschreckte, so impulsiv und rabiat forderte der Neo-Expressionismus die Kunstwelt heraus. Im Kunstbetrieb herrschten in den 1960er- und 70er-Jahren abstrakte und konzeptuelle Tendenzen vor. Keiner hätte erwartet, dass die figurative, expressionistische Malerei in so vehementer Form zurückkehren würde. Doch genau das passierte in vielen Ländern, allerdings nirgendwo so umfassend wie in der damaligen BRD. Dort bildeten sich in verschiedenen Städten lebendige Zentren, in denen junge Künstler oft in wechselseitigem Einfluss und Konkurrenz raue, provokante und zugleich humorvolle Bilder malten. Für viele kamen die neu entdeckten Möglichkeiten der figurativen Malerei einer Befreiung gleich. Die gezeigten, häufig überlebensgroßen Gemälde belegen das eindrucksvoll.  

Obwohl die in der Ausstellung gezeigten Künstler allesamt unter dem Etikett „Neue Wilde“ und „Neo-Expressionisten“ präsentiert werden, weist ihre Kunst eine große Bandbreite auf. Bei aller „Wildheit“ gehen einige Maler überaus virtuos mit ihrem Medium um. Sie bezeugen in jeweils eigener Weise Respekt vor der Maltradition und lassen sich u.a. durch den deutschen Expressionismus inspirieren. Am anderen Ende des Spektrums sehen wir Künstler, die mit voller Absicht möglichst „schlecht“ malen und die Dinge ironisieren. Mit ihrem unverhohlenen Sarkasmus sind sie Vertreter des so genannten Bad Painting. 

Ab dem 30. April im Groninger Museum 

Die Neuen Wilden mit Arbeiten von Hans Peter Adamski, Peter Angermann, Elvira Bach, Ina Barfuss, Peter Bömmels, Werner Büttner, Luciano Castelli, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, G.L. Gabriel, Georg Herold, Gerard Kever, Martin Kippenberger, Jan Knap, Milan Kunc, Helmut Middendorf, Christa Näher, Gerhard Naschberger, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Salomé, Andreas Schulze, Bettina Semmer, Volker Tannert, Thomas Wachweger und Bernd Zimmer ist vom 30. April bis 23. Oktober 2016 zu sehen.

Die Neuen Wilden in Minerva  

Die Groninger Kunstakademie Minerva präsentiert in Kooperation mit dem Groninger Museum die Ausstellung Die Neuen Wilden in Minerva. Im Gebäude am Praediniussingel, wo in den 80ern das Groninger Museum untergebracht war, feierten viele Neue Wilde ihre erste Museumsausstellung. Im Kuppelsaal hängen zehn große Werke aus der Sammlung den Neuen Wilden des Groninger Museums. Die Ausstellung ist vom 2. Mai bis 17. Juni an Werktagen von 10.00 – 18.00 Uhr zugänglich, Eintritt frei.

Die „Wilden“ im Museum de Fundatie in Zwolle 

Parallel zu den Neuen Wilden ist im Museum de Fundatie in Zwolle vom 28. April bis 18. September 2016 die Ausstellung Die Wilden - Expressionismus von „Brücke“ & „Der Blaue Reiter“ zu sehen. Die Ausstellung präsentiert mit rund 100 Werken die erste große Übersicht der deutschen expressionistischen Malerei vom Anfang des 20. Jahrhunderts in einem niederländischen Museum.

Die Neuen Wilden vom 30. April – 23. Oktober 2016 im Groninger Museum.

Eine Ausstellung vom Städel Museum in Frankfurt am Main. 

  • Jiří Georg Dokoupil, Ohne Titel, 1984 © Jiří Georg Dokoupil
  • Helmut Middendorf, Electric Night, 1979 © Helmut Middendorf
  • Martin Kippenberger, Two Proletarian Women Inventors on Their Way to the Inventor’s Congress, 1984 © Martin Kippenberger