Installation Waste Not von Song Dong zum ersten Mal in den Niederlanden

1. Juni 2015

Im Rahmen der Ausstellung Song Dong, Life is Art, Art is Life wird die außergewöhnlich umfangreiche Installation Waste Not präsentiert. Verwandtschaftliche Beziehungen und materielle Kultur sind Themen, die dem weltberühmten chinesischen Künstler Song Dong am Herzen liegen. Song Dong schuf Waste Not, die im Coop Himmelb(l)au-Pavillon des Groninger Museums zum ersten Mal in den Niederlanden ausgestellt wird, gemeinsam mit seiner Mutter.

In Waste Not spielt Song Dongs Mutter, Zhao Xiangyuan, die Hauptrolle.  Zhao stammte aus einer wohlhabenden Familie, die nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 eine schwierige Zeit durchmachte. Ihr Vater war Offizier der Kuomintang (KMT), der nationalen Volkspartei, die von 1928 bis zu ihrer Niederlage 1949 über einen großen Teil Chinas herrschte, bis sie von Mao Zedong nach Taiwan vertrieben wurde 1950 zog Zhao mit ihren Eltern nach Peking, wo ihr Vater 1953 verhaftet und der Spionage für die KMT beschuldigt wurde. Ihre Mutter starb 1961. Die Ereignisse der fünfziger, sechziger und siebziger Jahre wie der Große Sprung vorwärts und die Kulturrevolution forderten das Leben von Millionen Chinesen und stürzten Zhaos Familie in Armut.

Wie viele Ihrer Altersgenossen wurde Zhao Xiangyuan in dieser Zeit zur Sparsamkeit erzogen, die sich in der kommunistischen Losung „Wù jìn qí yòng“, auf Englisch „Waste Not“, niederschlug. Doch auch als die Zeiten sich zum Besseren veränderten, hielt sie an diesem Prinzip fest. Schließlich verwandelte sich ihre Sparsamkeit in eine krankhafte Sammelwut. Um sich gegen erneute Armut und Knappheit zu wappnen, weigerte Zhao sich, irgendetwas wegzuwerfen, was sich noch verwenden ließ. Nach dem Tod ihres Ehemanns 2002 nahm ihre Sammelwut derart obsessive Züge an, dass Song Dong und seine Schwester sich gezwungen sahen einzugreifen. Versuche, ihr beim Aufräumen zu helfen, erwiesen sich als vergeblich. Schließlich gelang es ihnen, ihre Mutter davon zu überzeugen, auf ihre Sammlung zu verzichten, indem sie ihren Wahlspruch übernahmen: „Waste Not“. Song verarbeitete ihre gesamte Sammlung, die sie in fünfzig Jahren angehäuft hatte, zu einem Kunstwerk.

Die Installation Waste Not besteht aus über zehntausend Gegenständen, die sorgfältig nach ihren jeweiligen Funktionen geordnet sind. Teilsammlungen, die unter anderem Kugelschreiber, Plastiktüten, Verschlüsse, Schalen, Stofftiere, Behälter, Besteck, leere Zahnpastatuben und Schuhkartons umfassen, sind in Reihen und Stapeln ordentlich um das Holzskelett eines Hauses angeordnet. Dieses Gebäude, das ursprünglich neben Song Dongs Elternhaus in Peking stand, wurde im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking 2008 abgerissen.

Zhao Xiangyuan starb 2008, nachdem sie bei dem Versuch, einen verletzten Vogel zu retten, von einer Leiter gestürzt war. Nach ihrem Tod erlebte Waste Not einen triumphalen Empfang in verschiedenen international renommierten Museen und Veranstaltungen, z.B. im Museum of Modern Art in New York (2009), im Barbican Centre in Londen (2012) und bei der Sidney Biennale (2013).

Die Ausstellung kann ab dem 12. Juni 2015 besucht werden.

  • Song Dong Waste Not, 2005 Courtesy Song Dong en Tokyo Gallery en BTAP