Zeichen an der Wand. Neorealismus und Avantgarde im China der achtziger und neunziger Jahre

19. März 2008

22. März bis 26. Oktober 2008

Die chinesischen Realisten und Avantgarde der achtziger und neunziger Jahre erhalten einen Platz im Ploeg-Pavillon. Diese Strömungen, die sich erst nach dem Tod von Mao Zedong entfalten konnten, bilden den Anfang der modernen Kunst in China. Sein Tod bedeutete das Ende der Kulturrevolution. Die chinesische Avantgarde ist von ausschlaggebender Bedeutung für das Verständnis der zeitgenössischen Kunstszene Chinas.


Die Maler, die während der Kulturrevolution geprägt und technisch geschult wurden, um im Dienst der kommunistischen Partei sozialrealistische Propagandakunst herzustellen, nahmen 1976 die erlangte Freiheit zum Anlass in realistischem Stil ihrem Werk Inhalt zu verleihen, der kritisch zurückblickt auf die vorhergehende Periode und den Geist der neu angebrochenen Epoche widerspiegelt ("Scar-painting" und "Rustic-painting"). Wichtige Vertreter sind hier Luo Zhongli, Chen Danqing, Ai Xuan und He Duoling. "

Daneben entstanden unzählige Avantgarde-Künstlerbewegungen und –gruppen, die, inspiriert durch westliche Theorien und Strömungen, einen vollkommen anderen Weg einschlugen. Sie fingen an mit allerlei Materialien und Formen zu experimentieren, um ihren Ideen Ausdruck zu verleihen. Hierin verbarg sich oftmals eine kritische, ironische und sarkastische Meinung zum herrschenden Regime die daher nur kaum geduldet wurde. Die wichtigste dieser Bewegungen war zweifelsohne die so genannte "Stars Gruppe" mit den wichtigsten Vertretern Wang Kepin, Huan Rui, Ma Desheng und Ai Weiwei. Die vielen Künstlergruppen von Anfang der achtziger Jahre waren der Nährboden für die Mitte der achtziger Jahre entstandene "New Wave" oder das "85-Movement".

Viele der heute international gefeierten Künstler verließen in dieser Periode unter dem Druck des Regimes das Land; nur ein Einziger kehrte später zurück, um eine neue Künstlergeneration zu inspirieren: Ai Weiwei. Die "New Wave"-Bewegung endete mit der dramatischen Ausstellung "China Avantgarde" im Jahre 1989 in der National Gallery of Art in Peking.

Trotz aller Hindernisse ergriff in den darauf folgenden neunziger Jahren eine neue Generation von Künstlern die Gelegenheit, sich mit den turbulenten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen im Land zu befassen. Rundheraus lassen sich hierbei drei Strömungen unterscheiden: der zynische Realismus, der Politcal Pop und die Kitsch Art. Daneben ist die Performancekunst eine wichtige Form Elemente wie körperliche Prüfung, eigene Identität und eine provozierende Einstellung gegenüber den Auffassungen des herrschenden Regimes zum Ausdruck zu bringen. In der Ausstellung wird hiervon eine Übersicht anhand von Fotos und Videos gezeigt.

Zum ersten Mal befasst sich im Westen eine Ausstellung mit moderner chinesischer Kunst sowohl mit dem Neorealismus als mit der Avantgardekunst der achtziger und neunziger Jahre in China. Einige der gezeigten Werke waren noch nie außerhalb Chinas zu sehen oder wurden seit Anfang der achtziger Jahre überhaupt nicht mehr ausgestellt.

Teilnehmer
Es werden Werke präsentiert von: Ai Xuan, Chen Danqing, Chen Yanning, Ding Yi, Fang Lijun, Gao Xiaohua, Geng Jianyi, He Duoling, Huang Rui, Liu Wei, Liu Xiaodong, Ma Desheng, Wang Guangyi, Wang Jinsong, Wang Keping, Wen Pulin, Wenda Gu, Xu Bing, Yang Shaobin, Yu Youhan, Yue Minyun, Zhang Peili, Zhang Xiaogang, Zeng Fanzhi und Zhang Dali.

Katalog
Anlässlich der Ausstellung erscheint am 26. April, in Zusammenarbeit mit dem NAi Verlagshaus, das Buch Tekens aan de Wand. Chinees Nieuw Realisme en Avant-garde in de jaren tachtig en negentig. Autoren: Thomas Berghuis, Cees Hendrikse, Francesca Dal Lago, Sabine Wang und Eduardo Welsh.
Niederländische Ausgabe, ISBN 978-90-5662-138-4.
Englische Ausgabe, ISBN 978-90-5662-542-9
Gestaltung: Rudo Menge / Integralbindung / illustriert (Farbe)
Format: 23 x 29 cm. 152 Seiten, niederländische Ausgabe € 24,50, englische Ausgabe € 29,50.

Weitere Informationen
Öffentlichkeitsarbeit: Josee Selbach, +31-(0)50-3666555, jselbach@groningermuseum.nl, Carianne Nieman, cnieman@groningermuseum.nl.
Gastkonservator: Cees Hendrikse
Ausstellungsgestalter: Mark Wilson