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Große Ausstellung des Fotokünstlers JR im Groninger Museum

Mittwoch 22 September 2021
JR (French, born 1983). GIANTS, Kikito and the Boarder Patrol, Tecate, Mexico—U.S.A., 2017. Installation image. Wheat-pasted poster. ©️ JR-ART.NET
JR (French, born 1983). GIANTS, Kikito and the Boarder Patrol, Tecate, Mexico—U.S.A., 2017. Installation image. Wheat-pasted poster. ©️ JR-ART.NET

Das Groninger Museum präsentiert vom 20. November 2021 bis 12. Juni 2022 JR: Chronicles, eine imposante Retrospektive des französischen Fotokünstlers JR. Mit Wandcollagen, Fotos, Videos und Archivmaterial ist es die erste Museumsausstellung von JR in den Niederlanden. Sie vermittelt einen Überblick über die erstaunliche Karriere des Künstlers: von den ersten jugendlichen Graffitiwerken in Paris bis hin zu seinen sozial engagierten Projekten und groß angelegten Interventionen in Städten auf der ganzen Welt.

Mit seinen ehrgeizigen Projekten erweiterte JR in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Bedeutung von Kunst im öffentlichen Raum. Seine Fotoarbeiten rücken problematische Lebensumstände verschiedener Gruppen und Gemeinschaften weltweit ins Blickfeld. Dabei richtet er den Fokus auf die ungesehenen Menschen und schafft eine Plattform für ihre Geschichten. JR reproduziert seine Porträts in riesigem Maßstab, um sie dann – mitunter illegal – in diversen Dimensionen im öffentlichen Raum auszustellen. JRs Projekte zeugen von der bunten Vielfalt einfacher Leute und dokumentieren sein Engagement für Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Dialog.

Soziale Kunstprojekte
JRs Fotokarriere begann 2004 mit der Serie Portrait of a Generation. Die Reihe kam zustande, als der Filmregisseur Ladj Ly ihn zur Mitarbeit an einem Projekt im Pariser Vorort Montfermeil einlud, wo Ladj damals lebte. Gemeinsam wollten sie das karikaturartige Bild vor Augen führen, das die Medien von den Jugendlichen in den Pariser Banlieues verbreiteten. Auf einem Foto scheint ein junger Mann eine Waffe auf den Fotografen zu richten, aber bei genauerer Betrachtung ist es keine Waffe, sondern eine Kamera. Als 2005 nach dem Tod zweier Jugendlicher Unruhen in den Pariser Vororten ausbrachen, war dieses Foto vielfach in der Presse und im Fernsehen zu sehen.

Als Reaktion auf den Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko errichtete JR 2017 eine gigantische Fotoinstallation in der mexikanischen Stadt Tecate. Darauf ist der kleine Kikito zu sehen, dessen Haus direkt an der Grenze steht. Der Junge schaut neugierig und ohne jegliches politisches Bewusstsein von Mexiko über den Zaun. Das Porträt ist stellvertretend für die Unschuld junger Migranten. Am Tag vor dem Abriss des Fotogerüsts organisierte JR ein Picknick. Kikito, seine Familie und Hunderte von Gästen kamen aus den USA und aus Mexiko zum gemeinsamen Mahl. Sie saßen links und rechts des Grenzzauns an einen langen Tisch, auf dem auf jeder Seite ein Auge einer illegalen Einwanderin zu sehen war. Sie aßen dasselbe Essen, tranken dasselbe Wasser und hörten dieselbe Live-Musik. Obwohl die Grenzpolizei das Picknick beenden wollte und drohte, alle Anwesenden zu verhaften, sah sie angesichts der positiven Aktion vor Ort davon ab.

Für das Projekt Women are Heroes reiste JR mit seiner Kamera in die Slums von Nairobi (Kenia), Monrovia (Liberia), Phnom Penh (Kambodscha), Rio de Janeiro (Brasilien) und Jaipur (Indien), um Frauen zu porträtieren. Die Fotos betonen nicht deren Armut, sondern ihren Lebensmut. Laut JR tragen die Frauen die Gemeinschaft, während es vor allem Männer sind, die die Straßen bevölkern. Die Aufnahmen wurden in den Stadtvierteln selbst plakatiert sowie an anderen Stellen im öffentlichen Raum, den Mauern von Kirchen und Moscheen, an Bussen und Zügen, auf dem Boden eines leeren Schwimmbads. In Kibera, ein Elendsviertel in Nairobi, wurden Fotos von Frauenaugen auf Vinylplanen gedruckt und als Dachabdeckung auf Dutzenden Hütten angebracht, die dadurch auch noch wasserdicht wurden.

Ein weiteres Projekt, mit dem JR bekannt wurde, ist Inside Out. Am 2. März 2011 bat JR bei der Entgegennahme des TED-Preises das Publikum um Teilnahme an seinem internationalen Kunstprojekt. Er lud alle ein, eigene Porträtfotos hochzuladen, die er im Anschluss ausdrucken und zurückschicken würde, damit sie in der eigenen Umgebung der Porträtierten aufgehängt werden konnten. In den letzten zehn Jahren nahmen über 400.000 Menschen aus mehr als 138 Ländern an dem umfangreichen Projekt teil.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint bei WBOOKS der Katalog JR: Chronicles in niederländischer und englischer Sprache. Er ist u.a. im Museumsshop erhältlich und kostet € 29,95.

Kuratoren
JR: Chronicles wurde vom Brooklyn Museum organisiert. Die Kuratorinnen sind Sharon Matt Atkins, Deputy Director of Art, Brooklyn Museum, und Drew Sawyer, Phillip Leonian and Edith Rosenbaum Leonian Curator, Photography, Brooklyn Museum.

Graffiti aus New York und Groningen
Das Groninger Museum zählt weltweit zu den ersten Museen, das unter dem damaligen Direktor Frans Haks schon in den 1980er-Jahren Graffiti und Streetart als Kunstform anerkannte und in die Sammlung aufnahm. Begleitend zu JR: Chronicles werden in zwei Räumen der ständigen Sammlung Arbeiten führender Künstler der New Yorker Kunstszene gezeigt, darunter NOC 167, Dondi, Blade, Quik und Phase 2. Überdies sind mit Fotos und Filmen die Anfänge der Groninger Graffitikunst nachzuverfolgen. Die Präsentation wurde von Stichting Kladmuur unter der Leitung von Aileen Middel (Graffitikünstlerin Mick la Rock) und Hugo Engwerda zusammengestellt. Während der Ausstellung werden zudem zwei neue Kunstwerke von Mick la Rock und OD Crew entstehen.

Bühne frei
Wie JR verlässt auch das Groninger Museum seine eigenen vier Wände und bezieht Stadt und Region in ein großes partizipatives Kunstprojekt ein. So entsteht in Kooperation mit Kultureinrichtungen und den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt eine Bühne für Fotografie, Streetart und Graffiti. Ein wichtiger Bestandteil ist JRs Inside Out, diesmal mit Groninger Porträts.